Das Thema Hallenbad bewegt viele Menschen in Mühldorf – und das zu Recht. Umso wichtiger ist es, den tatsächlichen Weg dieses Projekts transparent und nachvollziehbar darzustellen. Denn entgegen mancher Darstellung war beim Amtsantritt am 01.05.2020 keineswegs ein „fertig vorbereitetes“ Hallenbadprojekt vorhanden.
Ausgangslage 2020: Keine Planung, keine Kosten, kein Konzept
Zum 01.05.2020 existierte weder ein konkretes Konzept für ein Hallenbad noch eine belastbare Aussage zu Größe, Ausstattung oder Kosten. Abgesehen von der Besichtigung eines vergleichbaren Bades im Jahr 2019 gab es keine fachliche Grundlage, auf der man hätte aufbauen können.
Zwar hatte der Stadtrat bereits 2018 beschlossen, den Stadtwerken jährlich 750.000 € zur Verfügung zu stellen, damit diese ein Hallenbad finanzieren könnten. Hintergrund war, dass die Gewinne der Stadtwerke bis dahin an die Kreisstadt als Muttergesellschaft abgeführt wurden. Dieses sogenannte Finanzierungskonzept wurde jedoch vom Finanzamt nicht anerkannt und konnte nie umgesetzt werden. Faktisch bedeutete das: Das Projekt Hallenbad musste vollständig neu gedacht werden – vom ersten Schritt an.
Finanzielle Grundlage schaffen: Der entscheidende Schritt 2021
Bevor über ein Hallenbad überhaupt ernsthaft gesprochen werden konnte, mussten die Stadtwerke in die Lage versetzt werden, ein solches Projekt wirtschaftlich zu stemmen. Deshalb beschloss der Stadtrat im Rahmen der Haushaltsberatungen 2021, das nicht umsetzbare Konzept aus dem Jahr 2018 aufzugeben und künftig auf weitere Gewinnausschüttungen der Stadtwerke an die Kreisstadt zu verzichten. Ziel war es, ein solides Finanzpolster aufzubauen, das den Stadtwerken erlaubt, ein Großprojekt wie ein Hallenbad realistisch anzugehen.
Der Einstieg in die fachliche Planung
Der inhaltliche Startschuss fiel am 26.10.2021. Die Stadtbaumeisterin und der Bürgermeister besuchten gemeinsam die Fachmesse „Aquanale“ in Köln. Dort kam es zu einem ersten Gespräch mit Dr. Batz, dem Vorsitzenden des Europäischen Bäderverbandes und Geschäftsführer einer auf Bäder spezialisierten Beratungsgesellschaft. In diesem Gespräch wurden die notwendigen Schritte für eine seriöse und belastbare Planung definiert.
In einem weiteren Termin – gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke – wurde festgelegt, wie dieser Weg konkret aussehen soll:
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zunächst ein Standortgutachten,
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anschließend ein Raum- und Bedarfsprogramm,
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mit dem Ziel, sowohl den regionalen Bedarf abzubilden als auch einen wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen.
Standortfrage: Entscheidung auf Basis von Fakten
Das Standortgutachten untersuchte insgesamt sechs mögliche Standorte im Stadtgebiet. Das Ergebnis wurde dem Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt. Aufgrund der klaren Synergieeffekte – insbesondere in Verbindung mit vorhandener Infrastruktur – wurde der Freibadstandort als Favorit benannt. In einer gemeinsamen Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses und des Aufsichtsrates der Stadtwerke wurde dieser Standort schließlich beschlossen.
Was braucht Mühldorf wirklich? Bedarf, Förderung und Wirtschaftlichkeit
Im nächsten Schritt ging es um die entscheidende Frage: Welche Ausstattung braucht ein Hallenbad in Mühldorf wirklich?
Dabei standen zwei Ziele im Mittelpunkt:
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die Voraussetzungen für maximale Fördermittel zu erfüllen,
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einen später wirtschaftlich tragfähigen Betrieb sicherzustellen.
Die Stadtwerke beauftragten hierzu ein Bedarfsgutachten, das insbesondere auch die Anforderungen von Schulen und Vereinen in der Region berücksichtigte. Das daraus entwickelte Bedarfsprogramm wurde dem Stadtentwicklungsausschuss am 12.10.2022 von Dr. Batz vorgestellt. Zur Entscheidung standen zwei Varianten:
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eine einfache Schwimmhalle,
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oder ein Familienbad.
Sowohl der Stadtentwicklungsausschuss als auch der Aufsichtsrat der Stadtwerke entschieden sich bewusst für die Variante Familienbad.
Konkretisierung: Kosten, Zeitplan und Planerwahl
Zur weiteren Ausarbeitung wurde eine Projektsteuerungsgesellschaft hinzugezogen. Auf Basis eines detaillierten Raumprogramms entstand eine erste Kostenschätzung von rund 36 Mio. € brutto sowie ein realistischer Zeitplan. Anschließend leitete der Aufsichtsrat der Stadtwerke ein europaweites Vergabeverfahren ein, um geeignete Architekten und Fachplaner zu finden.
Im Juli 2024 stimmten Bauausschuss und Stadtrat dem Aufstellungsbeschluss für das neue Hallenbad am Freibadstandort zu. Anfang Januar 2025 stellten sich die beteiligten Planer an vier Tagen dem Aufsichtsrat vor. Die Planungsaufträge wurden am 07.01.2025 vergeben.
Aktueller Stand: Planung läuft – Ziel ist gesichert
Im März 2025 wurden die Planungen zunächst den Anwohnerinnen und Anwohnern vorgestellt und anschließend im Bauausschuss beraten. Seit April 2025 arbeiten die Planer im 14-tägigen Rhythmus gemeinsam mit den Stadtwerken an der weiteren Entwicklung des Projekts.
Wichtig ist dabei: Stand heute ist sichergestellt, dass mit dem Ablauf der Genehmigung des bestehenden Hallenbads – die aus statischen Gründen zeitlich begrenzt ist – ein neues, zukunftsfähiges Familienbad in der Kreisstadt eröffnen kann.
Genau darauf arbeiten die Stadtwerke gemeinsam mit dem gesamten Planerteam mit großem Engagement, Fachkompetenz und viel Herzblut hin.
Der Planungsprozess ist noch nicht abgeschlossen. Am Ende werden eine weiter konkretisierte Baukostenschätzung sowie alle erforderlichen Unterlagen für Förderstellen und Banken vorliegen. Erst dann kann die Finanzierung verbindlich festgelegt werden.
Klarstellung zur Zuständigkeit
Das Hallenbad ist ein Projekt der Stadtwerke Mühldorf a. Inn GmbH & Co. KG – nicht der Kreisstadt selbst. Die Stadtwerke sind eine eigenständige juristische Person, auch wenn sie sich vollständig im Eigentum der Stadt befinden. Zuständig ist daher der Aufsichtsrat der Stadtwerke.
Gleichzeitig wurden die Gremien der Kreisstadt während des gesamten Prozesses regelmäßig eingebunden und informiert. Dass eine Fraktion keinen Sitz im Aufsichtsrat hat, ändert nichts daran, dass dieses Projekt transparent, strukturiert und ordnungsgemäß durch die zuständigen Gremien begleitet und beschlossen wird.
„Ich finde es schade, dass – wie bereits beim SüMö-Projekt – eines der großen Zukunftsprojekte unserer Stadt und ein klarer Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger bei jeder Gelegenheit schlechtgeredet und zerredet wird. Das neue Hallenbad ist das größte Bauprojekt in der Geschichte der Kreisstadt Mühldorf a. Inn. Es sollte jedem klar sein, dass ein Projekt dieser Größenordnung nicht mit persönlichen Erfahrungen aus dem Eigenheim vergleichbar ist. Genau deshalb wird hier exakt, professionell und ordentlich geplant, um späteren Überraschungen bestmöglich vorzubeugen.
Stand heute sind die Stadtwerke in der Lage, ein Hallenbad mit Baukosten von rund 36 Mio. € brutto zu stemmen. Ebenso gibt es aktuell keinerlei Anzeichen, vom vertraglich mit allen Planern vereinbarten Zeitplan abweichen zu müssen. Ziel ist und bleibt, das neue Familienbad im Jahr 2029 zu eröffnen.“
Erster Bürgermeister Michael Hetzl


